Der Abschied: Roman [Taschenbuch]

Als das Schiff Gibraltar passiert, verstummen die beiden Männer angesichts der übermächtig werdenden Erinnerung an das Boot, das hier einst auf Grund lag und beinahe zum schwimmenden Sarg für alle geworden wäre. Heutzutage, da selbst ein Kind ein Schiff heil über den Atlantik schippern könnte, ist der wortkarge Alte lediglich noch eine Art nautisches Fossil. Verdammt dazu, als lächerlicher Traumschiffkapitän die “Otto Hahn” zum Verschrotten nach Durban, Südafrika zu überführen. Mit an Bord, Lothar-Günther Buchheim, ehemals Kriegsberichterstatter und langjähriger Weggefährte des früheren U-Bootkapitäns. Beide Männer ahnen: Dies wird ihre letzte gemeinsame Fahrt werden. Eigentlich, so der Autor, müssten seine Werke Logbücher genannt werden und nicht Romane. Da aber ungenaue Logbücher nichts wert sind, dient die lange Fahrt den Protagonisten zur Aufarbeitung unzähliger offener Fragen. In langen nächtlichen Gesprächen, die die Schrecken des fürchterlichen U-Bootkrieges noch einmal streifen, gelangen sie schließlich übereinstimmend zu einer düsteren Bestandsaufnahme der Gegenwart. Symbol hierfür ist die “Otto Hahn” selbst, das einzige Nuklearschiff unter deutscher Flagge, eine Monstrosität auf ihrem Weg in die Abwrackwerft. Nichts an ihr erinnert mehr an die großen Zeiten der Seefahrt. Stewardessen, “herausgeputzt wie Damen aus der Herbertstraße”, servieren Häppchen, während im Maschinenraum, einer irrsinnigen Gegenwelt, der Wahnsinn namens Schlendrian Regie führt. Buchheims Beobachtungen menschlicher Unzulänglichkeit in diesem absurden schwimmenden Atomkraftwerk dienen ihm zur messerscharfen Beweisführung über die Unbeherrschbarkeit nuklearer Kräfte — für ihn eine tickende Zeitbombe. “Hat sich eben allerhand geändert, seitdem du das letzte mal an Bord warst”, konstatiert der Alte resigniert. Ein grandioser Abschiedschoral von der Seefahrt und den vielen Männern, die die ewige See nicht mehr zurückgibt. –Ravi Unger
— Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe:

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